Frauen EM 2022 Favoriten & Geheimfavoriten

Ähnlich wie die Männer mussten auch die Frauen pandemiebedingt ein Jahr mehr als ursprünglich geplant auf ihre Europameisterschaft warten. Die eigentliche Frauen EURO 2021 findet nun im Sommer als Frauen EM 2022 statt. Auf diese Weise soll dem Turnier in England die volle Aufmerksamkeit sicher sein. Im Sommer 2021 hätten die Frauen schließlich mit der EM 2021 der Männer und den Olympischen Spielen in Tokio konkurrieren müssen.

Aber wer hat eigentlich die besten Chancen, den Niederlanden die Krone zu entreißen und sich den Titel zu sichern? Wir wagen einen Blick voraus und stellen die Favoritinnen vor. Außerdem wagen wir einen Blick, welche Mannschaften Geheimfavoritinnen sein könnten. Zuletzt gelang dies sehr gut: Für die Männer-EM 2021 bezeichneten wir Italien als Geheimfavoriten – der Rest ist Geschichte.

Favoritinnen der Frauen EURO 2022 – Wer wird Europameister?

Die Titelverteidigerinnen: Niederlande

Die von Sarina Wiegmann trainierten Niederländerinnen zählen natürlich selbst zu den Favoritinnen. Sie waren zuletzt überzeugend in Form – das Ticket für die EM lösten sie als dritte Mannschaft überhaupt – nach den ohnehin qualifizierten Engländerinnen und Deutschland.

Der zweite Platz bei der WM 2019 war der nächste Fingerzeig, dass die Niederländerinnen dauerhaft zur Weltklasse zu zählen sind und bei der EM 2017 nicht nur wegen des Heimvorteils gewonnen haben. Olympia 2021 verlief allerdings etwas unglücklich. Hier reichte es nur zum Viertelfinale.

Viele Profis aus der deutschen Bundesliga dürften bei der EM für die Niederlande auflaufen. Hierzu zählen Domimique Janssen, Jill Roord, Torjägerin Lineth Beerensteyn sowie Shanice van den Sanden. Die ansonsten wichtigsten Spielerinnen sind Captain Sari van Veenendaal (Tor), Rekordspielerin Sherida Spitze, die die Olympischen Spiele in Japan verletzungsbedingt verpasste, Danielle van de Dink, Vivianne Miedema und natürlich Barca-Angreiferin Lieke Mertens. Dieses Team gilt es zu schlagen, um den Titel zu holen.

Die Gastgeberinnen: England

Das von der Norwegerin Hege Riise betreute England musste sich mit den Lasten der Qualifikation nicht mühen. Als Gastgeberinnen waren die Britinnen automatisch qualifiziert (hier alle Frauen EM 2022 Stadien). Aber auch ansonsten hätten sie wohl nicht viel Mühe gehabt.

Bei der EM 2017 erreichte England das Halbfinale. Bei der WM 2019 war ebenfalls erst in der Runde der letzten Vier das Ende erreicht – am Ende wurde es auch der vierte Platz. Bei Olympia scheiterte das Team im Viertelfinale (als Großbritannien) denkbar knapp in der Verlängerung.

Fast alle Spielerinnen der Engländerinnen verdienen ihr Geld in der heimischen Liga. Im Kader für Freundschaftsspiele im Jahr 2021 standen lediglich zwei Spielerinnen, die in den USA unter Vertrag stehen, sowie eine Akteurin, die in Frankreich aktiv ist. Dabei handelt es sich um Nikita Parris, die gemeinsam mit Ellen White die besten Chancen auf den Platz in der Startelf haben dürfte.

Im Mittelfeld befindet sich Jill Scott im Spätherbst ihrer Karriere. Die EM dürfte ihr letztes großes Turnier sein. Mit Fran Kirby und Jordan Nobbs stehen sehr gute andere Spielerinnen aber ebenfalls zur Auswahl. England hat insgesamt ein leichtes Nachwuchsproblem, aber das dürfte sich bei der EM noch nicht auswirken.

Silbermedaillen-Gewinner Schweden als Frauen EM-Favorit 2022

Schweden wird von Peter Gerhardsson betreut. Und sein Team war zuletzt immer stark. Bei Olympia gewannen seine Spielerinnen nach einer Finalniederlage gegen Kanada die Silbermedaille. Bei der WM 2019 gab es einen dritten Platz. Lediglich die EM 2017 war mit Platz 11 ein kleiner Ausrutscher – zugleich war dies aber auch das schlechteste Resultat in der Geschichte des Teams – was bereits alles über die Stärke der Schwedinnen sagt.

Im Tor wird Hedvig Livdahl wohl bei der EM ihr letztes großes Turnier spielen. Sie ist dann 39. Vermutlich hört Captain Caroline Seger gemeinsam mit ihr auf. Die Angreiferin ist mit sensationellen 221 Länderspielen (Stand: August 2021) Rekordspielerin der Schwedinnen. Einige Profis, die in Deutschland ihr Geld verdienen, dürften sicher mit zur EM kommen: Hierzu zählen die Bayern-Spielerinnen Hanna Glas und Sofia Jakobsson sowie die beiden Wolfsburgerinnen Rebecka Blomqvist und Fridolina Rolfö.

Deutschland: Wohin führt der Weg?

Deutschland hat die meisten EM-Titel geholt. Schon allein deshalb ist das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg zum Favoritinnenkreis zu zählen. Bereits seit einigen Jahren hat das Team, das alle EM-Titel zwischen 1995 und 2013 gewonnen hat und sowohl 2003 wie 2009 Weltmeisterin wurde, mit Problemen zu kämpfen.

Bei der EM 2017 war im Viertelfinale Endstation. Gleiches galt für die WM 2019. Für Olympia qualifizierte sich das Team nicht. Dafür gelang die EM 2022-Qualifikation. Sportlich gesehen war Deutschland die erste Mannschaft, die das Ticket löste.

Das DFB-Team der Frauen ist nach wie vor stark besetzt: Spielerinnen wie Almuth Schult, Kathrin Hendrich, Carolin Simon, Sara Däbritz, Dzsenifer Marozsan und natürlich Kapitänin Alexandra Popp haben fraglos höchstes Niveau. Ob das Team es auch wieder einmal zeigen kann, bleibt abzuwarten.

Welche Teams sind die Geheimfavoriten der EURO 2022?

Einige Teams sollten auf jeden Fall beachtet werden, weil sie die große Überraschung schaffen könnten. Dänemark, Norwegen, Frankreich und Spanien sind diesbezüglich insbesondere als Geheimfavoriten zu nennen, wobei die besten Karten hier die Damen aus Frankreich haben dürften.

Fazit: Es wird richtig spannend

Es ist völlig offen, wer den Titel bei der Frauen EM 2022 holt. Viele Teams bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau. Die Tagesform wird eine entscheidende Rolle spielen. Unter dem Strich gilt also: Es wird richtig spannend, ob es einer der typischen Frauen EM Favoriten 2022 schafft oder wir eine kleine Überraschung erleben werden.