Kader von Österreich bei der Frauen-EM 2022: Alles zu den ÖFB-Damen

Das österreichische Frauen-Team gab in den vergangenen Jahren Rätsel auf, wie sie kaum größer sein könnten. Lange konnte sich die ÖFB-Auswahl weder für eine EM noch für eine WM qualifizieren. An Olympischen Spielen nahm man ebenfalls noch nicht teil. Dann passierte die Überraschung: Österreich löste das Ticket für die EM 2017 in den Niederlanden. Endstation war hier sensationell erst im Halbfinale. Mit großen Hoffnungen ging die Mannschaft die Qualifikation für die WM 2019 an, die sie prompt vergeigte.

Und so ging es weiter. Der Qualifikation für die Frauen-EM 2022 in England folgte im Februar 2021 mit einem 1:6 gegen Schweden die höchste Niederlage in der Geschichte des Teams. Es ist wohl kein zu gewagter Tipp, dass Trainerin Irene Fuhrmann selbst nicht zu 100 Prozent wissen wird, wie gut ihre Mannschaft eigentlich wirklich ist. Sie wird allerdings darauf hoffen, dass das Kunststück von 2017 vielleicht in England wiederholbar ist. Wir stellen den Kader vor, mit dem dies gelingen soll.

Österreich bekommt es in Gruppe A der Frauen-EURO 2022 mit Gastgeber England, Norwegen und Nordirland zu tun. Außerdem darf das ÖFB-Team die Endrunde am 6. Juli im Old Trafford gegen England eröffnen. Hier der chronologische Spielplan der Frauen-EM 2022.

Österreichs Team im Frauen-EM 2022-Check

Wir stützen uns bei der Prognose der Kadernominierung vor allem auf die Spiele der letzten Jahre. Fuhrmann ist erst 2020 zur Cheftrainerin geworden. Sie war zwar zuvor bereits Assistentin, dennoch dürfte sich erst jetzt zeigen, welche Spielerinnen wirklich ihr Vertrauen haben – und wer eher nicht. Dass sie klare Vorstellungen hat, zeigt der Blick auf das System. Fuhrmann ließ fast immer in einem 4-3-3 spielen. Nach diesem System nominieren wir deshalb auch.

Tor

Das Tor gehört Manuela Zinsberger (FC Arsenal), die unter Fuhrmann fast jedes Spiel macht. Die Trainerin testete allerdings auch zwei Alternativen, was uns einen guten Hinweis gibt, wer mit zur EM fahren dürfte. Wir tippen darauf, dass die erfahrene Jasmin Pal (SC Sand) die Nummer 2 sein wird. Nummer 3 könnte Kristin Krammer (USV Neulengbach) sein. Das Talent soll vielleicht Turnierluft schnuppern.

Verteidigung

In der Abwehr nominierte Fuhrmann in den letzten vier Spielen des Jahres 2021 vier Mal die identische Kette, die wir aus diesem Grund als Startelf sehen. Linksverteidigerin ist dann Verena Hanshaw (Eintracht Frankfurt), die vor ihrer Hochzeit noch als Verena Aschauer bekannt war.

Rechtsverteidigerin ist ihre Vereinskollegin Virginia Kirchberger. In der Innenverteidigung spielen Abwehrchefin Carina Wenninger (FC Bayern München) und Laura Wienroither (TSG Hoffenheim). Fuhrmann hat Kirchberger und Wienroither aber auch gedrehten Positionen getestet. Dies könnten wir also ebenfalls sehen.

Nominiert werden dürften auch Marina Georgieva (SC Sand), Katharina Naschenweng (TSG Hoffenheim), Yvonne Weilharter (RB Leipzig), Katharina Schiechtl (Werder Bremen), Julia Magerl (Sturm Graz) und Viktoria Schnaderbeck (FC Arsenal). Letztere ist sogar Captain des Teams, wird aber aufgrund von zahlreichen Verletzungen in der Vergangenheit kaum mehr von Beginn an eingesetzt.

Mittelfeld

Im Mittelfeld ist die Situation ähnlich wie in der Abwehr. Hier bekamen zuletzt immer Barbara Dunst (Eintracht Frankfurt), ihre Vereinskollegin Laura Feiersinger und Marie-Therese Höbbinger (Turbine Potsdam) oft das Vertrauen. Sarah Zadrazil (Bayern München) und Sarah Puntigam (Montepellier) dürften allerdings im zentralen Mittelfeld gesetzt sein.

Jennifer Klein (St. Pölten), Maria Plattner (Turbine Potsdam) und die langjährige SKN St. Pölten Kapitänin Jasmin Eder sind ebenfalls so gut wie fix im österreichischen EM Frauen Kader dabei. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass einige von ihnen für einen anderen Mannschaftsteil vorgesehen sind. Zadrazil spielte beispielsweise unter Fuhrmann auch wiederholt im Angriff.

Angriff

Sturmführerin ist ohne jede Frage Nicole Billa (TSG Hoffenheim), die in der Saison 2020/21 Torschützenkönigin in der deutschen Bundesliga wurde. Sollte Fuhrmann mit nur einer Spitze spielen lassen, ist Stefanie Enzinger (St. Pölten) die erste Alternative.

Nominiert werden dürften ebenfalls Katja Wienerroither (Grashoppers Zürich), Lisa Makas (St. Pölten) und vielleicht Viktoria Pinther (SCR Altach). Ein Talent wie Laura Krumböck (Austria Wien) hat ebenfalls Chancen auf einen Kaderplatz.

Die Nationalmannschaft von Österreich bei der Frauen-EM 2022

Die wichtigsten Infos 🇦🇹 Österreich
Trainerin Irene Fuhrmann 🇦🇹
Größter Erfolg Halbfinale EM 2017
Rekordtorschützin Nina Burger (53 Treffer)
Rekordspielerin Sarah Puntigam (113 Spiele)
Wertvollste Spielerin Nicola Billa (€ 125.000, Stand: 11/2021)
Spitzname
FIFA-Weltrangliste 21. Platz (Stand: 11/2021)
Höchster Sieg 11:0 gegen Armenien (2x 2003)
Höchste Niederlage 1:6 gegen Schweden (2021)
EM-Teilnahmen 2

Österreichs Talente bei der Frauen-EURO 2021

Österreich weiß einige gute Talente in den eigenen Reihen. Zum Bedauern Fuhrmanns sind allerdings kaum Spielerinnen davon Kandidatinnen für die Startelf. Die besten Chancen haben Angreiferin Wienerroither, die beim Turnier 20 Jahre alt sein wird, Mittelfeldspielerin Höbinger (beim Turnier 21) und Abwehrspielerin Wienroither (beim Turnier 23).

Einige Einsätze werden wohl auch Plattner (dann 21) und Naschenweg (dann 24) erhalten. Insgesamt ist die Altersstruktur der Österreicherinnen übrigens nicht schlecht. Enzinger dürfte die älteste Spielerin sein, die für das ÖFB-Team in England auflaufen wird. Sie wird bei der EM 32 Jahre alt sein.

Österreichs Chancen bei der Frauen-EM 2022

Bei der EM 2017 hat Österreich bewiesen, dass man das Team nicht abschreiben sollte, eine ganz große Überraschung schaffen zu können. Realistisch erwarten wir dies allerdings nicht. Es geht in der Gruppe A beim Frauen-EURO 2022 Eröffnungsspiel gegen die Gastgeberinnen aus England, gegen Nordirland und gegen Norwegen. Hier wird es schon viel Glück brauchen, um sich einen der ersten beiden Plätze zu sichern.

Auf dem Papier sind sowohl die Engländerinnen wie auch die Skandinaverinnen stärker. Sollte es für das Achtelfinale reichen, geht es vermutlich gegen Deutschlands Damen-Team weiter. Wir fürchten, dass früh für das ÖFB-Team Schluss sein wird.

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