EM 1996 in England

Gastgeber: England
Teilnehmerzahl: 16
Gewinner: Deutschland
Finalist: Tschechien
Torschützenkönig: Alan Shearer (5 Tore)

Erstmals in der Geschichte der Europameisterschaft waren bei der EM 1996 in England 16 Mannschaften vertreten, die im selbsternannten Mutterland des Fußballs um den Titel kämpften. In einem sehr stimmungsvollen Turnier setzte sich am Ende zum dritten Mal in der EM-Geschichte die deutsche Mannschaft durch, die dank eines Golden Goals von Oliver Bierhoff die Auswahl Tschechiens mit 2:1 besiegte.

Gespielt wurde erstmals bei einer EM mit vier Vorrundengruppen, aus denen sich jeweils die beiden ersten Mannschaften für das Viertelfinale qualifizierten, sowie in insgesamt acht Stadien – ausnahmslos Arenen mit besonderem Flair angefangen vom alten Wembleystadion über Old Trafford in Manchester und die Anfield Road in Liverpool bis hin zum St. James‘ Park in Newcastle.

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EM Geschichte 1996 Teilnehmer
Wikimedia, Parutakupiu (gemeinfrei)

Die Gruppenphase der Europameisterschaft 1996

In Gruppe A setzte sich Gastgeber England am Ende als Erster durch. Nach durchwachsenem Start mit einem 1:1 gegen die Schweiz besiegten die Three Lions Schottland im prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell auch dank eines bis heute legendären Tores von Paul Gascoigne mit 2:0, ehe das abschließende 4:1 gegen die Niederlande die Hoffnungen nährte, das nach der WM 1966 ein weiteres Turnier im eigenen Land mit dem Titel beendet werden könnte. Rang zwei sicherte sich die Niederlande bei gleicher Punktzahl und gleicher Tordifferenz nur dank der mehr erzielten Treffer gegenüber Schottland. Richtig überzeugen konnte Team Oranje aber nur beim 2:0 gegen die Schweiz, nachdem es gegen Schottland nur zu einem 0:0 gereicht hatte.

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In Gruppe B landeten am Ende die beiden Favoriten Frankreich und Spanien auf den ersten beiden Plätzen, während Bulgarien und Rumänien frühzeitig die Heimreise antreten mussten. Frankreich startete mit einem 1:0 über Rumänien und machte schließlich nach einem 1:1 gegen Spanien mit einem 3:1 gegen Bulgarien alles klar. Spanien hatte etwas mehr Mühe und gewann nach zwei Remis erst das dritte Gruppenspiel mit 2:1 gegen Rumänien. Bulgarien, das das punktlose Rumänien 1:0 geschlagen hatte, blieb nur der undankbare dritte Platz.

Deutschland belegte in Gruppe C am Ende mit sieben Punkten und ohne jedes Gegentor den ersten Rang und deutete schon in der Vorrunde an, zu Großem fähig zu sein. Nach ungefährdeten Siegen über den späteren Finalgegner Tschechien (2:0) und Russland (3:0) endete das letzte Gruppenspiel gegen Italien torlos, womit die Squadra Azzurra nach einem 2:1 über Russland und einem 1:2 gegen Tschechien die Segel streichen musste. Letztlich entschied die Zahl der mehr erzielten Treffer für Tschechien, das sich im letzten Gruppenspiel spektakulär mit 3:3 von Russland trennte.

In Gruppe D setzten sich am Ende Portugal und Kroatien gegen Titelverteidiger Dänemark und die Türkei durch. Portugal behielt nach einem Auftakt-Remis (1:1) gegen Dänemark gegen die Türkei (1:0) und Kroatien (3:0) die Oberhand und sicherte sich Platz eins. Kroatien hatte derweil schon vor der Pleite gegen Portugal mit Siegen gegen die Türkei (1:0) und Dänemark (3:0) alles klar gemacht. Dänemark besiegte zwar die Türkei klar mit 3:0, doch der Traum von der Wiederholung des Coups von der EM 1992 war schnell geplatzt.

Im Viertelfinale der EM 1996 setzen sich die Favoriten durch

Im ersten Viertelfinale kam es zu einem aus heutiger Sicht historischen Ereignis. Während England in den folgenden Jahren bei großen Turnieren in unschöner Regelmäßigkeit vom Punkt scheiterte, gewannen die Three Lions bei der EM 1996 nach torlosen 120 Minuten mit 4:2 nach Elfmeterschießen gegen Spanien. Ebenfalls nach Elfmeterschießen setzte sich Frankreich gegen die Niederlande durch, nachdem auch in dieser Partie weder in der regulären Spielzeit noch in der Verlängerung Tore gefallen waren. Erst im dritten Viertelfinale gab es Tore aus dem Spiel heraus zu bejubeln. Jürgen Klinsmann per Elfmeter und Matthias Sammer sorgten für einen deutschen 2:1-Sieg über Kroatien, für das Davor Suker zwischenzeitlich ausgleichen konnte. Und auch das letzte Viertelfinale wurde nach 90 Minuten entschieden. Dank eines Traumhaften Hebers von Karel Poborsky zum goldenen 1:0 setzte sich Tschechien knapp gegen Portugal durch.

Im Halbfinale fällt die Entscheidung jeweils vom Punkt

Schon im Halbfinale war es mit der englischen Herrlichkeit im Elfmeterschießen aber wieder vorbei. Nachdem Alan Shearer und Stefan Kuntz jeweils früh getroffen hatten, ging das ewig junge Duell zwischen den Three Lions und Deutschland nach ereignisreicher Verlängerung ins Elfmeterschießen, in dem Gareth Southgate als einzigem Schützen die Nerven versagten, wohingegen Andreas Möller Deutschland ins Endspiel schoss.

Ebenfalls im Elfmeterschießen wurde das andere Halbfinale zwischen Tschechien und Frankreich. Nach 120 Minuten ohne Tor und zehn verwandelten Elfmetern scheiterte der sechste französische Schütze, Reynald Pedros, an Tschechiens Keeper Petr Kouba, der nachdem anschließend von Miroslav Kadlec verwandelten Elfmeter zum Helden avancierte.

Das EM Finale 1996 zwischen Deutschland und Tschechien im Wembley

Im Endspiel wurde Tormann Kouba dann aber vom Helden zur tragischen Figur. Zunächst schien Tschechien auf einem guten Weg zum Überraschungscoup, als Patrik Berger den Außenseiter in der 59. Minute per Elfmeter mit 1:0 in Führung schoss. Doch der kurz zuvor eingewechselte Oliver Bierhoff glich in der 73. Minute per Kopfball zum 1:1 aus, womit das Finale in die Verlängerung ging. Doch auch dort schlug Oliver Bierhoff zu und erzielte schließlich in der 95. Minute das erste Golden Goal der Fußball-Geschichte. Im Halbfinale noch als Matchwinner gefeiert, wurde Petr Kouba zum Buhmann, nachdem er den haltbaren Schuss von Bierhoff durch die Finger gleiten ließ.

Das Video mit den Highlights und Toren des Finales


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