Russland bei der Fussball EM 2016

Russland FlaggeNahezu sämtliche Planungen im russischen Fußball sind klar auf das Jahr 2018 ausgerichtet, in dem erstmals überhaupt eine Weltmeisterschaft in Russland stattfindet. Die EM 2016 dient dafür in sportlicher Hinsicht als Probelauf, wobei die Sbornaja aber natürlich dennoch das Maximum erreichen will. Dieses lag seit dem Ende der Sowjetunion allerdings nicht wirklich hoch. Nur einmal gelang es Russland bei sechs Turnierteilnahmen als eigenständiges Land, die Vorrunde zu überstehen – 2008 war dann aber im EM-Halbfinale der spätere Europameister Spanien Endstation. Bei den Weltmeisterschaft 1994, 2002 und 2014 sowie den EM-Endrunden 1996 und 2004 war derweil bereits nach der Gruppenphase Schluss.

Die russische Fußball Nationalmannschaft

Größte Erfolge: EM-Halbfinale 2008
Rekordtorschütze: Aleksandr Kerzhakov (30 Tore)
Rekordspieler: Sergey Ignashevich (116 Spiele)
Teuerster Spieler: Oleg Shatov (14 Mio. €)
Spitzname: Sbornaja
FIFA Weltrangliste29. Platz
Höchster Sieg: Liechtenstein – Russland 0:7 (2015)
Höchste Niederlage: Portugal – Russland 7:1 (2004)
EM Teilnahmen: 96, 04, 08, 16 (4)

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EM 2016 Kader von Russland

Tor: Igor Akinfeev (CSKA Moskau), Guilherme (Lokomotiv Moskau), Yuri Lodygin (Zenit St. Petersburg),

Abwehr: Aleksey Berezutski (CSKA Moskau), Vasili Berezutski (CSKA Moskau), Sergei Ignashevich (CSKA Moskau), Dmitri Kombarov (Spartak Moskva), Roman Neustädter (FC Schalke), Georgi Schennikov (CSKA Moskau), Roman Shishkin (Lokomotiv Moskau), Igor Smolnikov (Zenit St. Petersburg)

Mittelfeld: Aleksandr Golovin (CSKA Moskau), Denis Glushakov (Spartak Moskau), Oleg Ivanov (Terek Grozny), Pavel Mamaev (FK Krasnodar), Aleksandr Samedov (Lokomotiv Moskau), Oleg Shatov (Zenit St. Petersburg), Roman Shirokov (CSKA Moskau), Dmitri Torbinski (FK Krasnodar), Artur Yusupov (Zenit St. Petersburg)

Angriff: Artem Dzyuba (Zenit St. Petersburg), Aleksandr Kokorin (Zenit St. Petersburg), Fedor Smolov (FK Krasnodar)

Russland Nationalteam Foto
Wikimedia, Steindy (CC BY-SA 3.0)

Angesichts der Größe Russlands mit seinen rund 144 Millionen Einwohnern ist Platz 24 in der FIFA-Weltrangliste eigentlich eine Enttäuschung, allerdings auch kein Zufall. Schon seit Jahren liegt in der Nachwuchsförderung einiges im Argen. Die Vereine der Premier Liga investieren ihre keineswegs geringen Budgets lieber in mittelmäßige “Stars“ aus dem Ausland und vernachlässigen die eigene Jugend, was längst auch auf die Nationalmannschaft Auswirkungen hat.

Die Qualifikation für die EM 2016 wurde zwar geschafft, allerdings nur als Gruppenzweiter hinter Österreich. Dass Russland von den meisten Experten in der EM Vorrunden-Gruppe B hinter dem Favoriten England auf einer Stufe mit Nationen wie Wales und der Slowakei, die beide erstmals an einer EM-Endrunde teilnehmen, gesehen wird, dürfte den Verantwortlichen zu denken geben.

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Das EM Team von Russland in der Analyse

Trainer Leonid Slutski, der neben der Nationalelf auch CSKA Moskau trainiert und als Nachfolger des entlassenen Fabio Capello mit vier Siegen an den letzten vier Qualifikationsspieltagen das zuvor stark gefährdete EM-Ticket erst löste, kann auf eine erfahrene Mannschaft bauen, der es allerdings an vielversprechendem Nachwuchs mangelt.

Tor

Russlands Tormann Igor Akinfeev
Wikimedia, Steindy (CC BY-SA 3.0)

Im Tor ist Igor Akinfeev (CSKA Moskau) die klare Nummer eins und durchaus ein Schlussmann von internationalem Top-Format, wenngleich sein Patzer im Vorrunden-Spiel der WM 2014 gegen Südkorea auch noch in Erinnerung ist. Yuri Lodygin (Zenit St. Petersburg) als erster Vertreter und der eingebürgerte Brasilianer Guilherme (Lokomotiv Moskau) müssen sich hinten anstellen.

Abwehr

Die russische Defensivreihe besteht aus weithin bekannten Namen. Vor Akinfeev bilden dessen Vereinskollegen Sergei Ignashevich und Vasili Berezutski, denen Trainer Slutski auch bei CSKA schon seit langem vertraut, eine eingespielte Innenverteidigung. Schnelligkeit ist dabei angesichts der 36 Jahre von Ignashevich und dem nur drei Jahre jüngeren Berezutskiy aber nicht Trumpf. Aleksey Berezutski (ebenfalls CSKA Moskau), der Zwillingsbruder von Vasiliy, fungiert ebenso als Backup wie Roman Neustädter (FC Schalke). Mit Igor Smolnikov (Zenit St. Petersburg) und Roman Shishkin (Lokomotiv Moskau) stehen zwei überdurchschnittliche Rechtsverteidiger zur Auswahl, während links Georgi Schennikov (CSKA Moskau) mit dem auch im Mittelfeld einsetzbaren Dmitriy Kombarov (Spartak Moskau) um den Platz kämpft.

Mittelfeld

Taktisch setzt Coach Slutski klar auf ein 4-2-3-1 mit Doppelsechs vor der Abwehr. Dabei sind die Rollen bei der Stammbesetzung klar verteilt. Routinier Igor Denisov (Zenit St. Petersburg, verletzt) spielt den defensiven Part und sichert seinen deutlich offensiver ausgerichteten und oft weit nach vorne stoßenden Nebenmann ab. Nach dem Ausfall von Alan Dzagoev (CSKA Moskau) könnten Aleksandr Golovin (CSKA Moskau) oder Oleg Ivanov (Terek Grozny) diese Rolle übernehmen. Als Zehner ist Kapitän Roman Shirokov, der die WM 2014 verletzungsbedingt verpasste und in Brasilien als Leader schmerzlich vermisst wurde, gesetzt. Denis Glushakov (Spartak Moskau) ist die erste Alternative für die Sechs,  Pavel Mamaev (FK Krasnodar) für die offensivere Rolle im Mittelfeld.

Aleksandr Kokorin
Wikimedia, Steindy (CC BY-SA 3.0)

Auf den offensiven Außenbahnen ist der auch zentral einsetzbare Oleg Shatov (Zenit St. Petersburg) links eine feste Größe und rechts offensiv kommt in der Regel der nominelle Angreifer Aleksandr Kokorin (Dinamo Moskau) zum Einsatz. Dimitri Torbinski (FK Krasnodar) ist ein weiterer Flügelspieler, der gegebenenfalls für frischen Wind sorgen könnten.

Angriff

Das Angebot im Angriff ist derweil überschaubar. Läuft Kokorin als Außenstürmer auf, bleiben Artem Dzyuba (Zenit St. Petersburg) und Fedor Smolov (FK Krasnodar), wobei der in der Qualifikation achtmal erfolgreiche Dzyuba die besten Karten hat.

Russisches Nationalteam: die größten Talente

Die interessanteste Aktie im russischen Nationalteam ist zweifelsohne Aleksandr Golovin. Der Mittelfeldspieler von CSKA Moskau, Jahrgang 1996, stieg beim amtierenden Meister der Premier Liga erst im Sommer von den Amateuren in die Kampfmannschaft auf und hat sich in kürzester Zeit ins Rampenlicht gespielt. Er kann sowohl im offensiven Mittelfeld als auch auf der Sechs und auf den Flügeln agieren. Bei seinem Verein kam er zuletzt vermehrt Rechts- oder Linksaußen zum Einsatz.

Diese Vielfältigkeit war wohl auch mit ein Grund, warum ihn Slutski, der ja auch bei CSKA Moskau sein Trainer ist, in den EM Kader von Russland berief. Die Scorerwerte im Verein – Golovin hat für CSKA in der Liga nur einmal getroffen – sind zwar bescheiden, um russischen Trikot erzielte er aber in seinen bisherigen drei Einsätzen zwei Tore und gab damit mehr als eine Talentprobe ab. Auch wenn Golovin bei der Fußball EM 2016 nur eine untergeordnete Rolle in der Sbornaja spielen wird – 2018 könnte er schon ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft sein.

Chancen des EM Teams von Russland

Gegen die Slowakei und Wales hat Russland sicherlich die Chance, die für das Weiterkommen nötigen Punkte einzufahren, während England wohl eine zu große Hausnummer darstellt. Die positive Entwicklung seit dem Trainerwechsel von Capello zu Slutski macht aber Hoffnung und schließt ein gutes Turnier keineswegs aus. In guter Form und mit einem eher leichten Gegner im EM Achtelfinale scheint das Viertelfinale möglich. Zu den großen Favoriten der EM 2016 sollte man die Sbornaja aber nicht zählen.

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