Frankreich bei der EM ohne Benzema

Noch bevor die Auslosung zur Euro 2016 überhaupt über die Bühne gegangen ist gibt es für das Gastgeberland Frankreich den ersten herben Dämpfer: Real Madrid-Superstar Karim Benzema ist offiziell vom französischen Fußballverbandes suspendiert worden. Gleichbedeutend geht damit einher, dass Benzema somit die EM im eigenen Land verpassen wird, zumindest nach jetzigem Stand. Immerhin wird FFF-Boss Noel Le Graet so zitiert, dass er diesen, zum jetzigen Zeitpunkt, notwendigen Schritt sehr bedauert. Die aktuelle Faktenlage lasse sich aber nicht ignorieren und deswegen war der nationale Fußballverband zum Handeln gezwungen, so die Verantwortlichen.

Karim_Benzema im real trikot foto
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Der Hintergrund dieser Geschichte ist äußerst pikant. Benzema, der schon einmal vor Gericht gestanden hat, damals noch als Angeklagter im Prozess wegen sexuellem Verkehr mit Minderjährigen, ist kein unbeschriebenes Blatt. Gemeinsam mit seinem damaligen Nationalmannschafts-Kollegen Ribery wurde er jedoch Anfang 2014 von allen Anklagepunkten freigesprochen. Aktuell geht es um ein anderes Delikt, es geht um Erpressung. Und wieder ist ein weiterer französischer Nationalspieler beteiligt: Mathieu Valbuena.

Diesmal geht es aber nicht um ein gemeinsames Vergehen. Ganz im Gegenteil, Valbuena ist das Opfer in einem Erpressungsfall. Es geht um ein Sex-Tape, das angeblich den 31-jährigen Valbuena zeigt und genau mit diesem Video wurde er von einem Freund Benzemas erpresst. Damit ist es aber noch nicht getan. Vielmehr soll Benzema seinen Mannschaftskollegen gedrängt haben auf die Forderungen der Erpresser einzugehen und zu tun, was von ihm verlangt wird. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung, noch ist kein Urteilsspruch gefallen und die Ermittlungen laufen. Sollte sich die Faktenlage jedoch bewahrheiten wird Benzema wohl nie mehr für die „Equipe tricolore“ auflaufen.

Dass es in diesem Fall auch andere Sichtweisen gibt beweist der Berater von Benzema. Dieser sieht in der Suspendierung seines Klienten vielmehr eine rassistische Entscheidung. Benzema sei seiner Meinung nach ein junger, erfolgreicher und gutaussehender Fußballspieler, der zudem gläubiger Moslem ist. In diesen Zeiten, so der Meinung des Beraters nach, reiche dies um aufgrund von religiöser Ressentiments bestraft zu werden.

Doch egal wie man es sieht, die Fakten sprechen für sich und spätestens nach einem Urteilsspruch wird man wissen wie es mit Benzema und der Nationalmannschaft weiter gehen wird. An den Gedanken an eine EM 2016 ohne ihn sollte man sich aber schon einmal gewöhnen.