WM 2018: Die Tendenz geht klar zum Videobeweis

In der Bundesliga hat der anfänglich überwiegend befürwortete Videobeweis in den vergangenen Monaten zu reichlich kontroversen Diskussionen geführt.

Kritiker bemängeln, dass dem Fußball viele Emotionen verloren gehen, weil Spieler nach einem Torerfolg immer noch fürchten müssen, dass der Treffer nachträglich wegen eines Regelverstoßes aberkannt wird und deshalb auch so mancher Fan beim Jubel eher zurückhaltend ist.

Dass trotz des Videobeweises krasse Fehlentscheidungen passiert sind wie etwa ein für den 1. FSV Mainz 05 im Spiel gegen den 1. FC Köln trotz klarer Schwalbe von Pablo de Blasis gegebener Elfmeter, war Wasser auf die Mühlen aller Kritiker.

Als Reaktion darauf wurden in den letzten Wochen und Monaten mehrere Anpassungen bei der Anwendung des Videobeweises vorgenommen, sodass die Anzahl der Überprüfungen reduziert wurde und sich in der Regel der Schiedsrichter auf dem Platz strittige Szenen noch einmal ansieht.

Nichtsdestotrotz wird der Videobeweis in Deutschland mittlerweile äußerst skeptisch begleitet. In Italien hingegen fällt die Zwischenbilanz positiver aus und auch in anderen Ländern ist die Zufriedenheit deutlich größer als in Deutschland.

Grundsatzentscheidung Anfang März

Das für Regeländerungen zuständige International Football Association Board (IFAB) hat nun bei einem Treffen ebenfalls ein zufriedenes Zwischenfazit gezogen: „Die Auswertung von über 800 Spielen mit Videobeweis hat positive und ermutigende Ergebnisse gebracht“, so IFAB-Geschäftsführer Lukas Brud, der im Rahmen einer Pressekonferenz noch genauere Zahlen nannte.

So wurde der Videobeweis in 20 Ländern und in 804 Spielen angewandt. Dabei waren 98,9 Prozent aller Entscheidungen des Video-Assistenten (VAR) korrekt. Im Schnitt waren es pro Spiel weniger als fünf Situationen, die per Video überprüft wurden. Und in über zwei Drittel aller Spiele wurde der VAR gar nicht benötigt.

Auf der nächsten IFAB-Generalversammlung am 3. März in Zürich soll nun grundsätzlich über die Zulassung des VAR entschieden werden. Die gezogenen Erkenntnissen seien laut Brud schon ausreichend und “keine weiteren Experimente nötig“, um eine solche Grundsatzentscheidung treffen zu können.

Werbung während Spielunterbrechungen?

Während vom Votum des IFAB auch das weitere Prozedere in den nationalen Ligen abhängt, fällt die Entscheidung über den Einsatz des Videobeweises bei der WM-Endrunde in Russland voraussichtlich am 15. und 16. März, wenn das FIFA-Council zu einer Sitzung in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota zusammenkommt.

Die Tendenz freilich ist bereits klar und geht eindeutig in Richtung Videobeweis auch bei der WM 2018. Und bei der FIFA macht man sich offenbar bereits Gedanken, wie man die Neuerung zu noch mehr Einnahmen nutzen kann.

Gegenüber der Nachrichtenagentur AP erklärte der Marketing-Chef des Weltverbandes, Philippe Le Floc’h, dass die Einführung des Videobeweises schon beschlossene Sache sei und die sich daraus ergebenden Spielunterbrechungen bei den WM TV-Übertragungen zur Einblendung von Werbung genutzt werden könnten.

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