Franz Beckenbauer – Der Kaiser als WM- & EM-Legende

Deutschland ist vier Mal Weltmeister und drei Mal Europameister geworden. Das DFB-Team hat viele große Spieler und Fußball-Legenden hervorgebracht. Aber kein Name ist wohl legendärer als der von Franz Beckenbauer. Nicht umsonst trägt er den Spitznamen Kaiser. Beckenbauer war zudem der Prototyp eines Liberos und einer der sehr wenigen Akteure, deren Karriere nach der Zeit als Spieler mindestens ebenso strahlend war.

Franz Beckenbauer nach dem WM Finale 1974
Franz Beckenbauer (Mitte) nach Finale der WM 1974 (Quelle: Wikipedia, Verhoeff, Bert / Anefo, CC BY-SA 3.0 nl)

Beckenbauers Karriere als Spieler auf einen Blick

  • 👶 Geburtsdatum & -ort: 11.09.1945 in München, Deutschland 🇩🇪
  • ✍️ Vereine: FC Bayern München, New York Cosmos, Hamburger SV
  • ⏳ Dauer der Profikarriere: 1964 bis 1983
  • 🏆 Größte Erfolge Vereinsebene: 3 x Europapokal der Landesmeister (1974-1976)
  • 🥇 Größte Erfolge Nationalteam: Europameister 1972, Weltmeister 1974
  • 💪 Größte persönliche Erfolge: Weltfußballer 1972 und 1976
  • #️⃣ Typische Rückennummer: 5

Der Beginn von Beckenbauers Profikarriere

Beckenbauer spielte seit seinem achten Lebensjahr Fußball im Verein. Er war Mitglied vom SC 1906 München. Der Klub hatte den Vorzug, dass das Vereinsgelände in unmittelbarer Nähe zu seinem Zuhause lag. Acht Jahre hielt der Defensivspieler ihm deshalb die Treue. Erst 1959 sollte er den Verein wechseln, da größere Vereine anklopften, um das Talent unter Vertrag zu nehmen.

Beckenbauer wollte eigentlich zu 1860 München wechseln. In einem Duell gegen die Löwen erhielt er aber eine Ohrfeige von Gegenspieler Gerhard König. Deshalb erhielt der FC Bayern München den Vorzug. Über 18 Jahre sollte er den Süddeutschen die Treue halten. Mit Beckenbauer an der Spitze entwickelte sich jener von einem Regionalligisten zu einem der besten Vereine der Welt.

Seine beste Zeit: Beckenbauer beim FC Bayern München

Beckenbauer debütierte als 18-Jährige im Sommer 1964 für den FC Bayern München. Am 8. Spieltag dieser Saison war er bereits unangefochtener Stammspieler. An seiner Seite stand Akteure wie Sepp Maier und Gerd Müller auf dem Platz. Dieses Team schaffte als Regionalligist (damals noch die zweite Liga) den Aufstieg in die Bundesliga.

Hier ging es steil nach oben. Gleich im ersten Jahr wurden die Bayern Dritter und gewannen den Pokal. Beckenbauer traf im Endspiel. Ein Jahr später holten die Münchner den Europokal der Pokalsieger. Sie verteidigten zudem den nationalen Pokalsieg.

1969 gewannen die Münchner mit Beckenbauer die Meisterschaft – es war erst das zweite Mal in der Vereinshistorie, dass die Bayern diesen Titel gewinnen konnten. Sie feierten kurz danach durch den Pokalsieg sogar das Double. Dies hatte zuvor nur der FC Schalke 04 geschafft – und das war 1937.

In diesen so erfolgreichen Jahren entstand auch Beckenbauers Spitzname. Hierfür gibt es mehrere Geschichten, wie er zustande kam. Die am meisten zitierte Version lautet: In Österreich wurde er neben einer Statue von Kaiser Franz I. fotografiert. Im zugehörigen Artikel wurde er deshalb als Fußballkaiser bezeichnet.

Die seltener erzählte Geschichte heißt: Beckenbauer foulte 1969 im Pokalfinale den Schalker Reinhard Libuda schwer. Dieser wurde König von Westfalen genannt. Die Anhänger der Knappen pfiffen Beckenbauer bei jedem Ballkontakt aus. Dieser jonglierte den Ball deshalb 40 Sekunden vor der Fankurve der Schalke. Bayerns Anhänger suchten nach einer Steigerung zu König und kamen auf Kaiser.

Die besten Jahre sollte dabei erst noch kommen. In den 1970er Jahren gewannen die Münchner drei Mal in Folge den Europapokal der Landesmeister. Lange galten diese Jahre als die goldene Zeit des Vereins – manch einer denkt dies bis heute. 1977 verließ Beckenbauer die Bayern aus privaten Gründen und wechselte in die USA. Er sorgte in dieser Zeit wegen Eheproblemen für negative Schlagzeilen und wollte sich diesen entziehen.

Beckenbauer als Kopf Deutschlands bei Welt- und Europameisterschaften

Beckenbauer spielte ab 1964 für Deutschland. Als 20-Jähriger war er bereits bei der WM 1966 der Kopf des deutschen Teams und organisierte als defensiver Mittelfeldspieler sowohl die Defensive wie auch das Umschaltspiel seiner Mannschaft. Bekanntlich reichte es zur Vizeweltmeisterschaft für das Team im Deutschland Trikot. Die Qualifikation für die EM 1968 scheiterte jedoch.

Beckenbauer hatte die Spiele nicht absolviert, was ihm Kritik einbrachte. Bei der WM 1970 war er wieder für Deutschland am Ball, zog sich aber gegen Italien im Halbfinale eine Schulterverletzung zu, musste jedoch wegen des bereits ausgeschöpften Auswechselkontigents weiterspielen. Deutschland wurde am Ende Dritter.

Besser lief es in den folgenden Jahren. 1972 wurde Deutschland Europameister mit Beckenbauer als Libero. Zwei Jahre später folgte der WM-Titel im eigenen Land. Beckenbauer führte Deutschland zwei Jahre später bei der EM 1976 an und kam immerhin ins Finale. Es war das letzte Großturnier in der WM- und auch EM-Geschichte für Beckenbauer. Durch seinen Wechsel in die USA im folgenden Jahr war seine Karriere als Nationalspieler beendet.

Der Ausklang von Beckenbauers Karriere in New York

Beckenbauer blieb 1980 bei den New York Cosmos, dann zog es ihn doch noch einmal nach Deutschland zurück. Er kehrte aber nicht etwa zum FC Bayern zurück, sondern schloss sich für zwei Jahre dem Hamburger SV an. Anschließend bestritt er noch eine Saison für New York und beendete dann seine aktive Karriere.

Beckenbauers Leben nach der aktiven Zeit

Beckenbauer übernahm Deutschland als Teamchef 1984. Er war erst 39 Jahre alt. Es wurde eine große Erfolgsgeschichte. 1986 wurde Deutschland Vizeweltmeister, bei der EM im eigenen Land erreichte das DFB-Team das Halbfinale und zwei Jahre später wurde es in Italien Weltmeister. Mit dem Titel ging der Kaiser in die Fußball-WM-Geschichte Deutschlands ein. Beckenbauer trat als Teamchef zurück und wurde Funktionär beim FC Bayern.

Hier war er zwei Mal Interimstrainer und gewann dabei 1996 den UEFA-Pokal. Anschließend übernahm er die Aufgabe als Bewerbungschef Deutschlands um die WM 2006. Diese konnte er in die Bundesrepublik holen. Für das Turnier war er zudem Chef des Organisationskomitees. Bis 2011 war er außerdem Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees.