Neues Nationalstadion in Budapest: Ferenc Puskas Stadion als EM 2020 Spielort

Ungarn schwärmte schon immer für den Fußball. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte das Land die beste Auswahl des Planeten. Unvergessen ist der packende Kampf im WM-Finale 1954 zwischen den Ungarn und den Deutschen. Legendäre Spieler wie Ferenc Puskas trugen das ungarische Trikot.

Diese große Tradition müsse geehrt werden, beschloss die UEFA im Jahr 2014 und wählte Budapest als einen der Spielorte für die Fußball Europameisterschaft 2020 aus, die in zwölf europäischen Ländern stattfindet.

Es gab dabei nur ein Problem: Ungarn verfügte nicht über eine geeignete Spielstätte. Das frühere Nepstadion (Volksstadion) bzw. das alte Ferenc Puskas Stadion genügte den Ansprüchen längst nicht mehr. Eilig wurden die Pläne vorangetrieben, die seit 2008 immer wieder diskutiert wurden.

Ungarn erhält ein neues Nationalstadion – und das logischerweise in der Hauptstadt Budapest, die als EM 2020 Spielort auserkoren wurde. Die Bauarbeiten begannen 2017 und sollen 2019 abgeschlossen sein.

Neues Nationalstadion in Budapest: Daten und Fakten

  • Kapazität: 65.000 Plätze
  • Eröffnung: 2019
  • Architekten: KÖZTI Architects & Engineers
  • Heimmannschaft: Ungarische Nationalmannschaft
  • Kosten: Ca. 310 Mio. Euro

EM 2020 Spiele im Ferenc Puskas Stadion

Runde Datum Anpfiff* Match Spielort
Gruppe F 16.06.2020 ? 1. Spiel Gruppe F Budapest
Gruppe F 20.06.2020 ? 3. Spiel Gruppe F Budapest
Gruppe F 24.06.2020 ? 5. Spiel Gruppe F Budapest
Achtelfinale 28.06.2020 ? Sieger Gruppe C – Dritter Gruppe D/E/F Budapest

*Alle Zeitangaben nach mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ)

Wissenswertes zum Neuen Nationalstadion (Ferenc Puskas Stadion) in Budapest

Das alte Puskas Ferenc Stadion, das diesen Namen seit 2001 trug, machte seit Jahren Probleme. Die Kapazität lag bei bescheidenen 28.300 Plätzen. Das war viel zu wenig für die großen Pläne der Ungarn. Man wollte Gastgeber von Endspielen der Champions League oder der Europameisterschaft werden.

Außerdem führte man die Schwäche der eigenen Liga auf das Fehlen hochwertiger Arenen zurück. 2008 begannen deshalb die Pläne für eine neue Arena.

Die Architekten des ungarischen Büros KÖZTI Architects & Engineers erhielten den Zuschlag. Sie machten mit einem bemerkenswerten Entwurf auf sich aufmerksam. Der Oberrang ist wie eine Laola-Welle geformt.

Zugleich enthält der Entwurf einige historische Anleihen an der alten Arena. Dies betrifft vor allem die Außenfassade.

Dies brachte die renommierte Seite stadiumdb.com dazu, den Entwurf zum besten Design für ein neues Stadion zu wählen – Jahre bevor überhaupt mit den Bauarbeiten für die neue Arena begonnen werden konnte. Hier lobte man besonders „den Respekt für den geschichtlichen Zusammenhang“.

Bankenkrise bedroht Stadionbau

Dann wäre die Arena fast jedoch nicht gebaut worden. Die Kosten für das Stadion wurden auf 100 Milliarden Forint geschätzt. Allerdings kam dann die Bankenkrise 2008/09, die auch in Ungarn zu einer tiefen Wirtschaftskrise führte. Der Forint verlor gegenüber dem Euro und dem Dollar intensiv an Wert. In diesen Währungen musste jedoch das Baumaterial gekauft werden.

Außerdem waren die ausländischen Arbeiter in Euro zu entlohnen. Die Baukosten kletterten dadurch laut einer Einschätzung aus dem Februar 2017 auf 190 Milliarden Forint bzw. umgerechnet etwa 310 Millionen Euro. Anders gesagt: Sie hatten sich fast verdoppelt.

Und dieses Geld fehlte. Erst durch den Zuschlag für die EM 2020 konnten sich die Ungarn schließlich dazu durchringen, tatsächlich grünes Licht für den Bau zu geben.

Der tatsächliche Baubeginn verzögerte sich allerdings bis 2017. Das Stadion soll jetzt innerhalb von zwei Jahren errichtet werden, was für eine Arena dieser Größenordnung ausgesprochen beachtlich wäre.

Abriss des alten Ferenc Puskas Stadions

Die Konsequenz aus dem stark verzögerten Baubeginn war, dass das alte Stadion stehenbleiben musste, um weiter benutzt werden zu können. Erst, nachdem der Neubau 2014 endlich grünes Licht bekommen hatte, wurde das alte Ferenc Puskas Stadion 2015 geschlossen.

Ein Jahr später wurde es schließlich abgerissen. Der ursprüngliche Plan sah vor, es in moderner Form neu zu bauen.

Das alte Ferenc Puskas Stadion in Budapest
Altes Ferenc Puskas Stadion (Quelle Wikipedia: Civertan, CC BY-SA 3.0)

Doch die explodierten Baukosten des Nationalstadions musste diese Idee aufgegeben werden. Den ungarischen Fußballfans behagte die Idee allerdings überhaupt nicht, dass es künftig keine Arena mehr geben soll, die nach dem größten Spieler ihres Landes benannt ist. Deshalb wird das neue Nationalstadion nun auch sehr oft das „Ferenc Puskas Stadion“ genannt.

Infos zum EM 2020 Spielort Budapest

Budapest ist die Hauptstadt Ungarns. Mit 1,7 Millionen Einwohnern ist sie zugleich die zehntgrößte Stadt der EU. Das englische Marktforschungsinstitut Euromonitor International hat zudem herausgefunden, dass Budapest zu den 20 am häufigsten von Touristen besuchten Städten Europas gehört. Insbesondere junge Leute zieht es regelmäßig in die ungarische Metropole.

Historisch gesehen ist Budapest noch relativ jung. Die Stadt wurde erst 1873 durch die Zusammenlegung der Städte Buda (Ofen), Obuda (Alt-Ofen) und Pest gegründet. Sie waren bis zur Donau zusammengewachsen. Das politische Herz Ungarns war zuvor lediglich Pest.

Bemerkenswert war, dass die Bevölkerung die drei Städte durchaus schon vorher als Einheit empfand und gerne von Pest-Buda sprach. Es ist nicht überliefert, weshalb nicht der gebräuchliche Name verwendet wurde, sondern stattdessen das umgedrehte Budapest zum Einsatz kam.

Die einzelnen Städte sind allerdings schon wesentlich älter und reichen bis in die Römerzeit zurück. Budapest bietet so zahlreiche großartige Sehenswürdigkeiten.

Parlament in Budapest
Parlament in Budapest (Quelle Wikipedia: Andrew Shiva, CC BY-SA 4.0)

Hierzu zählen beispielsweise die Statue des Heiligen Stephan, die St.-Stephans-Basilika, die Freiheitsbrücke, der Heldenplatz, die Matthiaskirche, das historische Rathaus von Obuda, das Parlament, die Staatsoper, der Burgpalast oder auch die große Markthalle.

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