EM 2024 Spielort Leipzig: Die Red Bull Arena

Deutschland blickt bekanntlich auf eine spezielle Geschichte zurück. Die Teilung zwischen 1949 und 1990 prägt das Land bis heute. Gleiches gilt für den Prozess der Wiedervereinigung, der gesellschaftlich noch immer nicht abgeschlossen ist. Der Sport kann und soll dabei eine wichtige Brücke sein. Bei Großereignissen, das ganze Land ausrichtet, sollen deshalb stets auch Wettkämpfe im Osten des Landes stattfinden, der früher die DDR war. Schon bei der WM 2006 fiel diese Rolle Leipzig zu. Für die EM 2024 gilt dies ebenfalls.

Allerdings gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen damals und heute. Profi-Fußball war 2006 nur etwas, was man in der sächsischen Metropole aus dem Fernsehen kannte. Inzwischen spielt mit RB Leipzig allerdings einer der besten Vereine des Landes hier, der sich zu einem Stammgast in der Champions League entwickelt hat. Das ehemalige Leipziger Zentralstadion wurde zur Red Bull Arena, die bei der EM 2024 schlicht RB Arena heißen wird.

Die Red Bull Arena in Leipzig als EM 2024 Stadion
Red Bull Arena in Leipzig (Quelle: Wikipedia, Philipp, CC BY 2.0)

Daten und Fakten zur Red Bull Arena in Leipzig

🏟️ Kapazität: 46.635 Plätze
🎉 Eröffnung: 7. März 2004
🏗️ Architekten: Wirth + Wirth, Glöckner, Körber Barton Fahle, IPL Ingenierplanung Leichtbau, Zech Planungs GmbH
🏠 Heimmannschaft: RB Leipzig
💰 Kosten: 116 Millionen Euro

Alle Infos zum EURO 2024 Stadion in Leipzig

In Leipzig stand ursprünglich das alte Zentralstadion, das 1956 erbaut worden war. Es fasste offiziell 100.000 Zuschauer. Allerdings handelte es sich um einen typischen DDR-Bau. Er war nicht modern, nicht sonderlich sicher und erst recht nicht komfortabel. Es gab nur eine Renovierung, die 1977 stattfand.

Nach der Wiedervereinigung war das Stadion als Spielort für Bundesliga-Partien gedacht – schließlich weilte der VfB Leipzig zeitweilig in der höchsten deutschen Spielklasse. Da die Arena aber baufällig war, musste die Zuschauerzahl schon früh auf 40.000 begrenzt werden – und schließlich ging es überhaupt nicht mehr.

Neue Arena brachte WM-Spiele 2006

1998 – und damit zwei Jahre vor dem Zuschlag der WM 2006 nach Deutschland – wurde das alte Zentralstadion abgerissen. Die neue Arena gleichen Namens sollte an derselben Stelle entstehen und 44.000 Zuschauern Platz bieten. Die Idee war es, eine hochfunktionelle Arena zu schaffen, die sich für Fußballspiele der höchsten Kategorie eignen würde. Jeder in Leipzig hatte das Versprechen des damaligen DFB-Präsidenten Egidius Braun im Ohr, dass es bei einem Zuschlag für die WM 2006 Spiele in Sachsen geben würde.

Und so kam es dann auch. Leipzig wurde erst einer der Austragungsorte des Konföderationspokals 2006 und schließlich eine der Spielstätten der WM 2006. Anschließend begannen jedoch die Sorgen. Es gab faktisch keinen Profi-Sport in der Stadt, der das Stadion nutzen konnte. Hier spielte von 2004 bis 2009 das Amateurteam FC Sachsen Leipzig. Der Unterhalt der Anlage war stark defizitär. Da half es auch nicht, dass von 2005 bis 2007 das Premiere-Liga-Pokalfinale hier ausgespielt wurde.

Red Bull übernimmt in Leipzig

2009 kam die Rettung. Red Bull übernahm einen örtlichen Verein, verlegte dessen Heimstadt in das Stadion, kaufte die Namensrechte der Arena für 30 Jahre und modernisierte sie. Das neu gegründete RB Leipzig spielte damals in der vierten Liga. Seit 2016 gehört das Stadion sogar Red Bull.

Der Getränkekonzern baut es seit damals auf 57.000 Plätze aus. Aufgrund äußerer Umstände mussten diese Pläne allerdings 2021 beerdigt werden. Es bleibt bei den bisherigen Modernisierungen sowie der entsprechenden Kapazität. Eventuell könnte ein Ausbau nach der EM 2024 erfolgen – aber dies wäre ein Thema für einen anderen Text.

Optisch ist das Stadion, das neben dem Fußball ausschließlich für Konzerte genutzt wird, relativ „normal“. Lediglich die geschwungenen Dachpartien stechen hervor. Es war beim Bau so von der Stadt gewollt. Und auch Red Bull gilt als Fan von eher traditionellen Designs für die eigenen Stadien.

Das ist der EM 2024 Spielort Leipzig

Leipzig, einer der zehn Austragungsorte der EURO 2024, zählt knapp 600.000 Einwohner. Die mitteldeutsche Metropole ist damit die größte Stadt des Freistaates Sachsen. Schon traditionell ist Leipzig zudem ein Zentrum für Handel, Verkehr, Wirtschaft und Verwaltung. Dabei reicht der eigene Einfluss durchaus über die Bundeslandsgrenzen hinaus. Leipzig bildet gemeinsam mit Halle an der Saale (Sachsen-Anhalt) ein Ballungszentrum, in dem 1,1 Millionen Menschen leben.

Leipzig wurde im 12. Jahrhundert gegründet und erhielt schnell eine Messe, die für die Geschichte der Stadt prägend werden sollte. Über Jahrhunderte war die sächsische Metropole das mitteleuropäische Herz des Pelzhandels. Das dritte Reich verlieh ihr sogar zeitweilig den Titel „Reichsmessestadt“. Komplett fair ist die Beschränkung auf die Wirtschaft jedoch nicht. Schließlich gibt es in Leipzig auch einige der besten Universitäten des Landes. Zudem darf sich die Stadt über eine blühende Kreativszene freuen.

Sport & Attraktionen in Leipzig

Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen das Grassimuseum und das Schillerhaus. Auch das Panometer, das Opernhaus und das Neue Gewandhaus ziehen immer wieder Gäste an. Wer verweilen und Natur genießen möchte, besucht den Johannapark, den es seit dem 19. Jahrhundert gibt.

Das Opernhaus von Leipzig
Opernhaus von Leipzig (Quelle: Wikipedia, Ichwarsnur, CC BY-SA 4.0)

Sportlich ist neben RB Leipzig vor allem HC Leipzig zu nennen. Hierbei handelt es sich um eines der erfolgreichsten Frauen-Teams Deutschlands im Handball. Ansonsten unterhalten noch einige Verbände hier Stützpunkte, die auf den alten DDR-Anlagen aufbauen. Große Prominenz ist diesen aber nicht vergönnt.