Rückblick: WM 2018 in Russland

Gastgeber: Russland
Teilnehmerzahl: 32
Gewinner: Frankreich
Finalist: Kroatien
Torschützenkönig: Harry Kane (England, 6 Treffer)

Erste Endrunde mit Videobeweis

Erstmals in der Fußballgeschichte fand im Sommer 2018 eine Weltmeisterschaft im flächenmäßig größtem Land der Erde Russland statt. 32 WM 2018 Mannschaften kämpften von 14. Juni bis 15. Juli um den heiß begehrten WM-Pokal, den vier Jahre zuvor bei der WM 2014 noch die deutsche Nationalmannschaft in die Höhe stemmen durfte.

In die Geschichtsbücher eingehen wird die Endrunde in Russland vor allem aus einem Gründen. Zum ersten Mal in der Fußballgeschichte kam bei einer Weltmeisterschaft der Videobeweis zum Einsatz – und dieser sorgte gleich für einen neuen Rekord bei Elfmeter-Pfiffen. Insgesamt 29 Penaltys wurden vergeben, die bisherige Bestmarke lag bei 18 Elfmetern (2002, 1998, 1990).

Videobeweis bei der WM 2018
Videobeweis bei der WM 2018 (Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

Laut FIFA-Präsident Gianni Infantino wurden dank des Videobeweises mehr als 99% Entscheidungen korrekt getroffen. Dennoch sorgte die Technik bei vielen WM-Teilnehmern, Experten und Fußballfans für ordentlich Gesprächsstoff.

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Schlechteste WM aller Zeiten?

In Erinnerung bleiben wird die 21. Fußball Weltmeisterschaft aus sportlicher Sicht ziemlich sicher nicht als Leckerbissen. Zahlreiche WM Favoriten 2018 mussten nach schwachen Leistungen früher als erwartet die Heimreise antreten.

Am härtesten traf es den bis dato amtierenden Weltmeister Deutschland, der zum ersten Mal überhaupt bereits nach der Vorrundenphase die Heimreise antreten musste. Nach der 1:0 Auftaktniederlage gegen Mexiko besiegte das DFB-Team die schwedische Nationalmannschaft zwar dank eines denkwürdigen Treffers von Toni Kroos noch in allerletzte Minute mit 2:1, im letzten Gruppenspiel blamierte sich das Team von Jogi Löw mit einer 2:0 Niederlage gegen Underdog Südkorea allerdings bis auf die Knochen.

Auch die anderen WM-Partien in Russland ließen vom sportlichen Niveau her zu wünschen übrig. Destruktive Spielweisen prägten die Matches, offensive Feuerwerke gab es kaum zu sehen. Lediglich 169 Tore durften die Fußballfans in den 64 WM-Spielen bejubeln – im Schnitt also 2,64 Tore pro Spiel. Dies erscheint auf dem ersten Blick vielleicht gar nicht so wenig, in der ewigen WM-Rangliste reicht dies aber nur für Platz 15 von 21.

Zudem fielen zahlreiche Treffer aus Standard-Situationen. Beispielsweise erzielte die englische Nationalmannschaft, die im Spiel um Platz 3 den Belgiern 2:0 unterlag, gleich 9 ihrer 12 Toren nach Standardsituationen. Insgesamt 19 Tore der Weltmeisterschaft 2018 wurden zudem erst in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte erzielt.

Über die Aussage von FIFA-Chef Gianni Infantino, der die Endrunde in Russland vor dem WM-Finale als „beste WM aller Zeiten“ bezeichnete, lässt sich also mehr als streiten.

Europa dominiert die WM-Endrunde 2018

Es ist kein großes Geheimnis, dass bei Weltmeisterschaften vor allem Mannschaften aus Europa zu den Top-Favoriten zählen. Im Normalfall haben aber zumindest die südamerikanische Nationen Brasilien und Argentinien einiges um den WM-Titel mitzureden. Diesmal war aber alles anders…

Aus Afrika überstand erstmals seit 1982 kein einziges Team (Tunesien, Ägypten, Senegal, Marokko und Nigeria) die Vorrundenphase. Von den fünf asiatischen Teilnehmern Japan, Iran, Australien, Südkorea und Saudi-Arabien erreichte Japan immerhin das Achtelfinale, musste aber nach einer Last-Minute 3:2 Pleite gegen Belgien die Koffer packen.

Ähnlich erging es den Teams aus Nord- und Mittelamerika bzw. der Karibik (Mexiko, Costa Rica, Panama), von denen lediglich Mexiko das Achtelfinale erreichte, dort aber nach einer 0:2 Niederlage gegen Brasilien zum 7. Mal in Folge scheiterte.

Und was war nun mit den Mannschaften aus Südamerika? Peru kam bei seiner ersten WM-Teilnahme seit 36 Jahren nicht über die Gruppenphase hinaus. Für 2014 Vize-Weltmeister Argentinien war nach einer 4:3 Niederlage gegen den späteren Weltmeister Frankreich bereits im Achtelfinale Schluss, auch Kolumbien scheiterte im ersten Spiel der K.o.-Phase im Elferschießen an England. Für die letzten Vertreter aus Brasilien (1:2 gegen Belgien) und Uruguay (0:2 gegen Frankreich) war im WM 2018 Viertelfinale Endstation.

Somit stand nach dem Viertelfinale fest: Der Weltmeister 2018 kommt definitiv aus Europa. Zwar mussten weitere WM-Favoriten wie Deutschland, Spanien oder Portugal zwar frühzeitig abreisen, ab dem Halbfinale spielten sich aber die europäischen Mannschaften Frankreich, Belgien, England und Kroatien den WM-Titel aus.

Welche Spiele der WM 2018 bleiben in Erinnerung?

  • Russland – Saudi-Arabien 5:0 (Eröffnungsspiel)
  • Portugal – Spanien 3:3 (Gruppenphase)
  • Deutschland  – Mexiko 0:1 (Gruppenphase)
  • Argentinien – Kroatien 0:3 (Gruppenphase)
  • Deutschland – Schweden 2:1 (Gruppenphase)
  • Frankreich – Argentinien 4:3 (Achtelfinale)
  • Belgien – Japan 3:2 (Achtelfinale)
  • Frankreich – Kroatien 4:2 (WM Finale)

Kroatien als Überraschungsfinalist

Nachdem die gesamte WM-Endrunde in Russland für zahlreiche Überraschungsmomente gesorgt hatte, war es durchaus bezeichnend, dass mit Kroatien ein krasser Außenseiter im Finale der WM 2018 stand.

Das Team von Cheftrainer Zlatko Dalic meisterte die Gruppenphase mit Siegen gegen Nigeria (2:0), Argentinien (3:0) und Island (2:1) äußerst souverän. Danach behielten die Kroaten in der Ko-Phase sowohl gegen Dänemark als auch gegen WM-Gastgeber Russland vom Elfmeterpunkt die besseren Nerven.

Im Halbfinale mussten Luka Modric & Co., der nach der Endrunde übrigens zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde, gegen England ein weiteres Mal über 120 Minuten ran (1:1 nach regulärer Spielzeit), setzten sich in der Verlängerung aber schlussendlich mit einem 2:1 Sieg durch.

Somit erreichte Kroatien im Sommer 2018 zum ersten Mal in der Fußballgeschichte ein WM-Finale. Das bisher beste Ergebnis bei einer Weltmeisterschaft war bislang der 3. Platz bei der WM 1998 in Frankreich. Frankreich lautete dann auch der Gegner im Endspiel.

Frankreichs zweiter WM-Titel nach 1998

Wie Kroatien musste auch die französische Nationalmannschaft 2018 bis zum WM-Finale keine einzige Niederlage hinnehmen und stand damit zurecht im Endspiel der Fußball Weltmeisterschaft 2018. In der Gruppenphase besiegte die Equipe Tricolore Australien (2:1) und Peru (1:0), im bedeutungslosen dritten Gruppenspiel trennte man sich von Dänemark mit einem müden 0:0.

Im Achtelfinale eliminierte das Team von Didier Deschamps Mitfavorit Argentinien rund um Superstar Lionel Messi mit 4:3. In der Runde der besten Acht wurde Uruguay mit 2:0 nach Hause geschickt, ehe „Les Bleus“ mit einem knappen 1:0 Sieg und einer eher destruktiven Spielweise gegen Belgien ins WM-Finale einzog.

Gegen Underdog Kroatien galt die französische Nationalmannschaft im WM Finale 2018 als großer Favorit und krönte sich am Ende mit einem fulminanten 4:2 Sieg zum Weltmeister 2018.

Spielerisch war das kroatische Nationalteam zwar die bessere Mannschaft, nach einem Eigentor von Mandzukic geriet Kroatien aber schon nach 18. Minuten in Rückstand.

Nur 10 Minuten später stellte Ivan Perisic im Kroatien Trikot den 1:1 Ausgleich her, ehe in Minute 38 Antoine Griezmann die Franzosen per Elfmeter wieder mit 2:1 in Führung brachte. Nach der Halbzeit erhöhten die Superstars Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappe (65.), der später zum besten Jugendspieler des Turniers gewählt wurde, auf 4:1. Der Treffer zum 4:2 von Mario Mandzukic, dem ein schwerer Patzer von Frankreichs Keeper Hugo Lloris vorausging, war nur noch Ergebniskosmetik.

Das Endspiel am 15. Juli 2018 war übrigens das torreichste Finale seit der WM 1958, damals besiegte Rekordweltmeister Brasilien die Schweden mit 2:5.

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