Kader von Tschechien bei der EM 2020

Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörte Tschechien zu den besten Mannschaften der Welt. Bei der EURO 1996 konnte Deutschland seinem Nachbarland den Titel erst in der Nachspielzeit des Finales entreißen. Anschließend prägten brillante Spieler wie Petr Cech, Tomas Rosicky oder auch Jan Koller das Team. Nach dem diese „Goldene Generation“ abgetreten ist, folgte allerdings das große Wehklagen.

Seit 2006 konnte sich Tschechien für keine Weltmeisterschaft mehr qualifizieren. In den Gruppenphasen der Europameisterschaften kassierte das Team regelmäßig Prügel.

Bei der Fußball EM 2020 soll sich dies ändern. Dort hat die tschechische Nationalmannschaft in EM Gruppe D mit England, Kroatien und dem Sieger aus Nations League Playoff C allerdings keine einfachen Gegner erwischt.

EM-Spielplan von Tschechien

Dat. Uhrzeit Match Ergebnis Spielort
Mo, 15.06.2020 15:00 Playoff C – Tschechien -:- 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 Glasgow
Fr, 19.06.2020 18:00 Kroatien – Tschechien -:- 🏴󠁧󠁢󠁳󠁣󠁴󠁿 Glasgow
Di, 23.06.2020 21:00 Tschechien – England -:- 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 London

Tschechien in der Tabelle

 

Tschechien ist ein Team ohne echten Star. Die Kylian Mbappes, Leroy Sanes, Raheem Sterlings oder Eden Hazards sucht man hier vergeblich. Silhavy möchte diesen Mangel durch Kompaktheit auffangen.

Die gesamte EM-Quali 2020 spielte das Team in einem 4-2-3-1, das eher defensiv war. Dieses System dürften wir deshalb mit absoluter Sicherheit auch beim Turnier selbst wiedersehen.

Der Tschechien EM 2020 Kader im Überblick

Tor

Das Tor ist der wohl stärkste Mannschaftsteil der Tschechen. Tomas Vaclik (FC Sevilla) als Nummer 1 und Jiri Pavlenka (Werder Bremen) als sein erster Vertreter sind zwar nicht Weltklasse, aber beide hervorragende Schlussleute.

Mit Tomas Koubek (FC Augsburg) hat die tschechische Nationalmannschaft sogar noch eine gute Nummer 3 in der Hinterhand. Rund um den Kasten muss den Tschechen also nicht bange sein.

Verteidigung

In der Abwehr ist die Lage eine andere. Mit Pavel Kaderabek (Hoffenheim) steht ein ausgezeichneter Rechtsverteidiger im Team. Links hinten wird es hingegen schon dünn. Jan Boril, der von Beginn an spielen dürfte, ist leider bestenfalls Durchschnitt. Auch die Back-ups Vladimir Coufal (Slavia Prag)für links hinten und Filip Novak (Trabzonspor) für rechts hinten, sind nicht viel besser.

In der Innenverteidigung werden wohl Kapitän Marek Suchy (FC Augsburg) und Ondrej Celustka (Antalyaspor) agieren. Tomas Kalas (Bristol City) und Jakub Brabec (Viktoria Pilsen) stehen als Ersatz bereit.

Mittelfeld

Das Mittelfeld soll die Defizite der Abwehr kaschieren. Defensiv kommen ziemlich sicher Tomas Soucek (West Ham United) und Youngster Alex Kral (Spartak Moskau) von Beginn an zum Einsatz. Die Alternativen für die Sechser-Position lauten Josef Husbauer (Dynamo Dresden) und Lukas Kalvach (Viktoria Pilsen).

In der offensiven Dreierkette dürfte linksaußen Serie A Legionär Jakub Jankto (Sampdoria Genua) gesetzt sein. Als Ersatz steht Ladislav Krejci (FC Bologna) bereit. Im offensiven Mittelfeld hat Vladimir Darida von Hertha BSC Berlin die besten Karten auf einen Einsatz. Rechtsaußen kann sich Teamchef Jaroslav Silhavy zwischen Jan Kopic (Viktoria Pilsen) und Lukas Masopust (Slavia Prag) entscheiden, wobei letzterer die Nase vorn haben dürfte.

🗓️ Chronologischer EM 2020 Spielplan 🗓️

Angriff

Mit dem 24-jährigen Patrik Schick (RB Leipzig) hat Tschechien einen Mittelstürmer von internationaler Klasse im Kader. Das Problem: Mit Matej Vydra (Burnley) steht nur eine akzeptable Alternative zur Verfügung. Der dritte Stürmer im tschechischen Aufgebot, Michael Krmencik (FC Brügge), ist bestenfalls Durchschnitt.

Dies erklärt, weshalb Tschechien in der Regel lediglich mit einer Spitze spielt – und weshalb sich Schick eigentlich auf keinen Fall verletzen darf. Für ihn gibt es keine Alternative, die auch nur in Sichtweite seiner Qualität ist.

Das tschechische Nationalteam bei der EURO 2020

Die wichtigsten Infos 🇨🇿 Tschechien
Trainer Jaroslav Silhavy 🇨🇿
Größter Erfolg Vize-Europameister 1996
Rekordtorschütze Jan Koller (55 Tore)
Rekordspieler Petr Cech (124 Länderspiele)
Wertvollster Spieler Pavel Kaderabek (20 Mio. €, Stand: 05.02.20)
Gesamtmarktwert 125,75 Mio. € (Stand: 05.02.20)
Spitzname
FIFA-Weltrangliste 45. Platz (Stand: 20.02.20)
Höchster Sieg U.a. 7:0 gegen San Marino (2009)
Höchste Niederlage 5:0 gegen England (2019)
EM-Teilnahmen 7 (inkl. EM 2020)

Tschechiens EM-Aufgebot: Analyse der Altersstruktur

Tschechiens Kader, der die EURO-Qualifikation meisterte, ist relativ alt. Das Team ist im Durchschnitt 27,24 Jahre alt gewesen. Abwehr und Sturm kamen dabei auf mehr als 28 Jahre. Die Keeper sind durchschnittlich 27,25 Jahre. Das Mittelfeld war mit 25,86 Jahren im besten Alter.

Wirkliche Mega-Talente gehen Tschechien ab. Der 24-jährige Patrik Schick (RB Leipzig) entspricht noch am ehesten dieser Beschreibung, dahinter wird es dann dünn. Jakub Jankto (Sampdoria) ist ebenfalls 24. Das größte Talent ist wohl Alex Kral (Spartak Moskau) mit seinen 22 Jahren.

Richtige junge Spieler gibt es im Tschechien EM 2020 Kader also nicht zu finden. Um fair zu bleiben: Das Gegenteil gilt auch. Richtig alt ist kein Spieler. Von der vermutlichen Startelf wird lediglich Keeper Vaclik bei der EM seinen 30. Geburtstag bereits gefeiert haben. Die sonstigen älteren Spieler sitzen draußen. Zur WM 2022 wird dieses Problem noch einmal deutlich intensiver, aber dies soll nicht jetzt unser Thema sein.

Die Altersstruktur deutet auf eine versteckte Stärke der Tschechen hin. Die Spieler sind physisch extrem stark. Die meisten Stammspieler sind im besten Alter, in ihren Vereinen Stammspieler und relativ groß. Damit ist auch klar, wie das Team bei der EM zum Erfolg kommen möchte: Es will über den Kampf zum Spiel finden.

Tschechiens EM-Chancen sind gering

Nachdem Tschechien seit Jahren so viele Nackenschläge zu erdulden hatte, möchte man dem Team als neutraler Fan einfach die Daumen drücken – wogegen natürlich auch nichts spricht. Realistisch ist die Lage aber leider nicht ganz so gut. Die Lose für die Gruppe waren heftig.

Mit Vizeweltmeister Kroatien, Spanien und der Türkei muss man sich mit drei Gegnern messen, die auf dem Papier alle stärker sind – und dies zum Teil erheblich (Kroatien, Spanien). Mit nüchternem Blick ist die Chance nicht besonders groß, dass Tschechien die EM Ko-Runde erreicht.

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Die beste Möglichkeit wäre wohl als einer der besten Drittplatzierten aufzusteigen. Am ehesten kann Tschechien vermutlich noch die Türkei hinter sich lassen und muss vielleicht hoffen, gegen Kroatien irgendwie zu punkten. Das Schöne am Fußball ist: Dieser Pessimismus ist nur graue Theorie. Auf dem Platz kann es ganz anders kommen. Es wäre nicht das erste Mal.

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