Iran bei der WM 2018: Kader & Analyse

Als dritte Mannschaft nach Gastgeber Russland und Rekordweltmeister Brasilien hat der Iran das Ticket für die WM 2018 gelöst. Team Melli war bereits zwei Spiele vor Qualifikationsschluss nicht mehr von Platz eins zu verdrängen und nimmt damit zum insgesamt fünften Mal an einer Endrunde teil.

Bisher war für den Iran stets nach der Gruppenphase Schluss, auch bei der WM 2014 scheiterte der dreimalige Asienmeister nach einem torlosen Remis gegen Nigeria sowie Niederlagen gegen Argentinien (0:1) und Bosnien-Herzegowina (1:3) bereits vorzeitig.

Das Ziel für die Endrunde 2018 ist daher klar: an die überzeugenden Quali-Leistungen anknüpfen und erstmals die KO-Runde erreichen.

Die iranische Nationalmannschaft im Überblick

    • Trainer: Carlos Queiroz (Portugal)
    • Größte Erfolge: Asienmeister 1968, 1972, 1976
    • Rekordtorschütze: Ali Daei (109 Tore)
    • Rekordspieler: Ali Daei (149 Einsätze)
    • Teuerster Spieler: Sardar Azmoun (11 Mio. Euro Marktwert laut transfermarkt.de)
    • Spitzname: Team Melli
    • FIFA Weltrangliste: 34. Platz (Stand 16. Oktober 2017)
    • Höchster Sieg: Iran – Guam 19:0 (2000)
    • Höchste Niederlage: Türkei – Iran 6:1 (2014)
    • WM-Teilnahmen: 5 (1978, 1998, 2006, 2014, 2018)

Iran-Kader im WM 2018 Check

Irans Teamchef Carlos Queiroz wird zwar erst kurz vor Turnierbeginn den endgültigen Kader bekannt geben, dennoch möchten wir euch hier die Spieler vorstellen, die die unserer Meinung nach die besten Chancen haben, im Sommer 2018 nach Russland zu reisen.

Tor

Alireza Beiranvand (Persepolis FC) erwies sich in der Qualifikation als sicherer Rückhalt und reist wohl als Nummer eins nach Russland.

Dahinter haben Mohammad Rashid Mazaheri (Zob Ahan Isfahan) und Mohammadreza Akhbari (Saipa FC) die besten Chancen auf eine Nominierung.

Verteidigung

In der Innenverteidigung ist Routinier Seyed Jalal Hosseini (Persepolis FC) gesetzt. Neben ihm konnte Morteza Pouraliganji (Al-Sadd SC) in den letzten Spielen überzeugen, auch Pejman Montazeri (Esteghlal FC) darf sich Chancen ausrechnen.

Links hinten dürfte wohl Ehsan Haji Safi (Panionios Athen) die besten Karten haben, nachdem sein Ausschluss aus der iranischen Nationalmannschaft aufgrund eines politischen Verstoßes (trat mit seinem Verein gegen ein israelisches Team an – dies ist im Iran verboten) wieder aufgehoben wurde. Als möglicher Ersatz kommt Milad Mohammadi (Akhmat Grozny) in Frage.

Ramin Rezaeian (KV Oostende) hat seinen Platz auf der rechten Abwehrseite fix, als Backup steht Vouria Ghafoori (Esteghlal FC) zur Verfügung.

Mittelfeld

Youngster Saeid  Ezatolahi (FK Rostov) dürfte seinen Platz im defensiven Mittelfeld sicher haben. Die zweite Sechserposition könnte Ali Karimi (Dinamo Zagreb) oder Omid Ebrahimi (Esteghlal FC) bekleiden.

Der Kampf um die Plätze in der offensiven Dreierreihe ist offen, Chancen dürfen sich Vahid Amiri (Persepolis FC), Alireza Jahanbakhsh (AZ Alkmaar), Mehdi Taremi (Persepolis FC) und der derzeit vereinslose Ashkan Dejagah ausrechnen.

Ob auch die Nationalteam-Sperre gegen Masoud Shojaei, der für den Iran ein wichtiger Leistungsträger im offensiven Mittelfeld war, aufgehoben wurde, ist derzeit noch unklar.

Angriff

Ganz vorne ist Sardar Azmoun (Rubin Kasan) unumstritten. Mit Karim Ansarifard (Olympiakos Piräus) und Reza Ghoochanneihad (SC Heerenveen) stehen Teamchef Carlos Queiroz zudem starke Alternativen zur Verfügung.

Die Talente des Iran  für die WM 2018

Der Kader des Iran ist von vielen Routiniers gespickt, Carlos Queiroz setzt eher auf Erfahrung als auf Jugend. Dennoch verfügt Team Melli auch über das ein oder andere Talent, besonders Saeid Ezatolahi und Sardar Azmoun entwickelten sich in der Qualifikation zu absoluten Leistungsträgern und nehmen im Spiel des Iran eine zentrale Rolle ein.

Beide verdienen ihre Sporen in Russland, der zentrale Mittelfeldspieler Ezatolahi steht beim letztjährigen Champions League-Teilnehmer FK Rostov unter Vertrag, war jedoch nach anfänglichen Schwierigkeiten im Frühjahr 2017 an Anzhi Makhachkala verliehen, wo er seine Qualitäten unter Beweis stellte und nun auch bei Rostov den Durchbruch schaffen will.

Irans Saeid Ezatolahi bei der WM 2018 dabei
Saeid Ezatolahi (Tasnim News Agency, CC-BY 4.0)

Ebendort reifte Serdar Azmoun in der vergangenen Saison zum Goalgetter, aktuell geht er für Rubin Kasan auf Torejagd und könnte bei der WM 2018 eine ganz heiße Aktie sein.

Die Chancen des Iran bei der WM-Endrunde

Die souverän gemeisterte Qualifikation stellt die Qualität der Iraner unter Beweis, die zwar nicht über überragende Einzelkönner, aber über ein starkes Kollektiv verfügen.

Die routinierte Defensive sollte dem Team Stabilität verleihen. Im Mittelfeld und Angriff hat Teamchef Queiroz mehrere Interessante Optionen, besonders die oben erwähnten Youngsters wollen die WM unbedingt als große Bühne nutzen. Zusätzlich haben viele Akteure der aktuellen Mannschaft bereits 2014 WM-Luft geschnuppert.

Die starken Vorstellungen in der WM-Qualifikation Asien 2018 haben im Iran eine Euphorie ausgelöst, die Mannschaft scheint im Hinblick auf 2018 gut gerüstet. Gleichwohl Team Melli das Zeug dazu hat, bei der WM zu überraschen, geht man als Außenseiter ins Turnier. Das angestrebte Erreichen der KO-Runde wäre ein großer Erfolg, wird aber ein schwieriges Unterfangen.

>> Alle WM 2018 Mannschaften im Überblick