Deutschland bei der WM 2018: Kader & Analyse

Mit einer perfekten Bilanz von 30 Punkten nach 10 Partien und einem sensationellen Torverhältnis von 43:4 hat der Titelverteidiger Deutschland sein Ticket nach Russland gebucht.

Hatte der Weltmeister von 2014 bei der EM letztes Jahr in Frankreich noch über weite Strecken enttäuscht, so demonstrierte die Löw-Elf nicht nur in der WM-Quali, sondern auch beim Confed Cup im Juni 2017, dass bei der WM 2018 in Russland definitiv wieder mit den Deutschen zu rechnen ist.

Die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2018

  • Trainer: Joachim Löw (Deutschland)
  • Größte Erfolge: Weltmeister 1954, 1974, 1990, 2014; Europameister 1972, 1980, 1996
  • Rekordtorschütze: Miroslav Klose (71 Tore)
  • Rekordspieler: Lothar Matthäus (150 Einsätze)
  • Teuerster Spieler: Toni Kroos (70 Mio. Euro Marktwert laut transfermarkt.de)
  • Spitzname: Die Mannschaft
  • FIFA Weltrangliste: 1. Platz (Stand 14. September 2017)
  • Höchster Sieg: Deutschland – Russland 16:0 (1912)
  • Höchste Niederlage: England – Deutschland 9:0 (1909)
  • WM-Teilnahmen: 19 (inklusive WM 2018)

Vor allem in punkto Kadertiefe ist der amtierende Weltmeister top aufgestellt. Beim Confed Cup konnte Deutschland sogar in Abwesenheit der Stammkräfte Kroos, Neuer, Özil, Boateng und Müller den Titel holen. Zudem dürfte mit dem aktuell groß aufspielenden Timo Werner und einem wiedererstarkten Mario Gomez auch endlich jenes Stürmerproblem gelöst sein, das dem Teamchef bei der EM in Frankreich noch Kopfschmerzen bereitet hatte.

Traditionell eine starke Turniermannschaft, könnte die deutsche Nationalelf in Russland nicht nur zum ersten Mal in ihrer Geschichte den WM-Titel verteidigen, sondern auch mit dem derzeit alleinigen Rekordweltmeister Brasilien (fünf Titel) gleichziehen. Bei den WM-Quoten der Buchmacher gilt das DFB-Team als Top-Favorit auf den Sieg.

Wir haben uns den Kader der Deutschen einmal genauer angesehen und analysiert, wie es um die Chancen auf eine Titelverteidigung steht.

Das deutsche Nationalteam im WM 2018 Check

Nachdem Teamchef Jogi Löw gerne jungen Spielern eine Chance gibt, kann sich bis zur WM in Russland natürlich noch einiges tun. So bekamen zuletzt auch beim Confed Cup zahlreiche Spieler, die sonst eher zum erweiterten Kader zählen, eine Chance. Wir sehen uns einmal die unterschiedlichen Positionsreihen an und welche Spieler die besten Chancen haben, in Russland zum Einsatz zu kommen.

Tor

Im Tor is die Angelegenheit an sich klar. Sofern Kapitän Manuel Neuer (FC Bayern München) fit ist, ist er als Nummer 1 unumstritten gesetzt. Die Nummer 2 in der Rangliste ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Barcelona Keeper Marc André ter Stegen, der in Abwesenheit von Manuel Neuer zuletzt auch beim Confed Cup 2017 und in der DFB-WM-Quali seinen Kasten sauber hielt.

Um die Nummer drei zeichnet sich ein Zweikampf zwischen Bernd Leno (Bayer Leverkusen) und PSG Keeper Kevin Trapp ab.

Verteidigung

In der Innenverteidigung wird Löw auf das Bayern Duo aus Mats Hummels und Jerome Boateng setzen. Sollte einer der beiden nicht zur Verfügung stehen, kann der Teamchef auf Antonio Rüdiger (FC Chelsea) oder auf Matthias Ginter (Mönchengladbach) zurückgreifen, der zuletzt in der WM-Quali auch in einer 3er-Kette mit Hummels agierte.

Auf den Außenpositionen hat Löw zuletzt vor allem auf Joshua Kimmich von den Bayern gesetzt, der sich gute Chancen auf einen Stammplatz in Russland ausrechnen darf. Neben Kimmich dürfte sich Jonas Hector vom 1. FC Köln als zweiter Außenverteidiger in einer Viererkette bzw. als Wingback in einer Formation mit drei Verteidigern etablieren.

Mittelfeld

Im Mittelfeld hat Jogi Löw die Qual der Wahl. Er kann aus einer Gruppe von hochklassigen Spielern auswählen und sein System somit sehr flexibel gestalten. Gesetzt sind jedoch definitiv die WM 2014 Weltmeister Toni Kroos (Real Madrid CF), Thomas Müller (FC Bayern), Sami Khedira (Juventus Turin) und Mesut Özil (FC Arsenal). Hinzu kommen noch offensive Dauerbrenner wie Marco Reus und Mario Götze (beide Dortmund) sowie Julian Draxler, der jedoch seit Neymars Rekordtransfer eine schier unüberwindbare Konkurrenz auf seiner Position bei PSG hat.

Beim Confed Cup konnten zudem zuletzt sowohl Leon Goretzka von Schalke 04 und der ehemalige U21 Kapitän Emre Can (FC Liverpool) überzeugen. An Optionen mangelt es den Deutschen im Mittelfeld also definitiv nicht.

Angriff

Nachdem die DFB-Elf bei der Euro 2016 noch mit dem Vorwurf konfrontiert war, keinen echten Hochkaräter im Sturm zu stellen, konnte sich Timo Werner (RB Leipzig) zuletzt als Torgarant hervortun. Zudem kann Löw mit dem wiedererstarkten Mario Gomez (Wolfsburg) auf einen echten „Target Man“ zurückgreifen, der das starke Flügelspiel der Deutschen vollendet. Als Back-up würde Sandro Wagner (Hoffenheim) bereit stehen.

Wahlweise können im Angriff auch Thomas Müller und Lars Stindel (Mönchengladbach) die hängende Spitze hinter Werner oder Gomez geben.

Deutschlands Youngster bei der WM 2018

Das DFB-Team verfügt über einen breiten Talentepool und ist somit in punkto Kadertiefe hervorragend aufgestellt. So darf man sich beispielsweise vom erst 21-jährigen Timo Werner, der beim Confed Cup Torschützenkönig wurde, noch viel erwarten.

Timo Werner als DFB-Stürmer bei der WM 2018
Quelle: Эдгар Брещанов – soccer.ru, CC BY-SA 3.0)

Werner feierte sein A-Team Debüt im März dieses Jahres und konnte in seinen ersten 7 Einsätzen gleich 4 Treffer erzielen. Der RB Leipzig Stürmer kam schon mit einer Menge Vorschusslorbeeren in die Löw-Elf, nachdem er in der Bundesligasaison 2016/17 in 31 Partien 21 Tore erzielte und konnte bisher den Erwartungen mehr als gerecht werden.

Er hat sich gut in das Mannschaftsgefüge integriert und wird schon als legitimer Nachfolger von Miro Klose gehandelt. Der Rekordtorschütze für die Nationalelf (insgesamt und bei WM Endrunden) hatte ja im November 2016 seine Karriere endültig beendet.

Deutschlands Chancen bei der WM-Endrunde

Sind die Stützen der Mannschaft fit, zählt das deutsche Nationalteam definitiv zum engsten Favoritenkreis auf den Titel. Jogi Löw kann bei der DFB-Auswahl aus dem Vollen schöpfen. Talente wie Werner, Can und Kimmich werden schon seit längerer Zeit neben den etablierten und erfahreneren Stützen wie Kroos, Hummels und Khedira in die A-Nationalmannschaft integriert.

Hinzu kommen dann auch noch Rückkehrer wie die lange verletzten Götze und Gündogan, die alles daran setzen werden, ihr Ticket nach Russland zu ziehen. Angesichts einer derartigen Kaderbreite, die gerade bei einer WM oftmals den Ausschlag geben kann wenn ein Star gesperrt oder verletzt ist, sind die Deutschen die absoluten WM-Favoriten auf die Titelverteidigung.

Wie sah der Weltmeister-Kader von 2014 aus?

Tor: Manuel Neuer, Roman Weidenfeller, Ron-Robert Zieler

Abwehr: Jerome Boateng, Philipp Lahm, Erik Durm, Kevin Großkreutz, Mats Hummels, Benedikt Höwedes, Per Mertesacker, Shkodran Mustafi

Mittelfeld: & Angriff: Mario Götze, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Toni Kroos, Sami Khedira , Julian Draxler, Matthias Ginter, Christoph Kramer, Mesut Özil, Lukas Podolski, Andre Schürrle, Miroslav Klose